(Gemeinsame Studie von Les Croqueurs des pommes, Féderation des arboriculteurs Haut-Rhin, Féderation des Producteurs de Fruits du Bas-Rhin 2025, 112 Seiten, farbige Bilder und Graphiken. ISBN 979 10 91767 22 4)
Diese vorbildliche pomologische Studie zu traditionellen Apfel-und Birnensorten im Elsass porträtiert sämtliche Lokalsorten mit allen verfügbaren Informationen. Sie beleuchtet aber zunächst die sehr unterschiedlichen geologischen, klimatischen und geschichtlichen Gegebenheiten in den verschiedenen Regionen des Elsass, gefolgt von einer Darstellung der wechselvollen Geschichte des Elsass mit viermaligem Wechsel der staatlichen Zuordnung.
Im fünfzehnten Jahrhundert beginnt die Tanne sich zum Weihnachtsbaum zu entwickeln, der mit kleinen roten Äpfeln „Christkindler“, damals bereits regionaltypisch im südlichen Elsass, behängt wird und so an den “Paradiesbaum“ des Alten Testaments erinnert.
Die bereits im frühen achtzehnten Jahrhundert von Kartäusermönchen betriebene Obstbaumschule auf dem Gelände des heutigen Jardin de Luxembourg in Paris wurde eine Keimzelle des Obstanbaus in ganz Europa. Die für das Elsass typischen traditionellen Sorten dokumentieren die in Europa prägende Rolle der Kartäuser Obstbaumschule und die wiederholte Zugehörigkeit zum Königtum Württemberg.
In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts wird gläserner Baumschmuck populär, der im nördlichen Elsass ein wichtiger Wirtschaftszweig wurde. Werkzeuge und Formen der Glasbläser waren aus Apfelholz, das besonders hitzebeständig ist. Aber in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde gläserner Baumschmuck durch Plastik ersetzt.
Weltweite Bedeutung hat die zweihundertjährige Baumschul-dynastie Baumann aus Bollwiller im Norden des Elsass erlangt, die auf zehn Seiten ausführlich dokumentiert wird. Über mehrere Generationen waren viele Lehrjahre in den bedeutenden botanischen Gärten, fürstlichen Anlagen in ganz Europa und Forschungen weltweit für jede nachfolgende Generation der Baumanns selbstverständlich. Zahlreiche, auch neue, Obstsorten und exotisches Ziergehölz tragen den Namen Baumann.
Die Autorenschaft dieser regionalen Studie hat alle vorgefundenen Äpfel- und Birnensorten auf Hochstämmen erfasst, knapp über einhundert Apfelsorten, von denen 47 als traditionelle lokale Sorten klassifiziert wurden. Drei an sich bekannte Lokalsorten wurden nicht gefunden. Von 39 Birnensorten gelten nur sechs als traditionelle Lokalsorten und drei Sorten nur für Most. Fünf als Lokalsorten bekannte Birnen wurden nicht gefunden.
Der Liste der einheimischen Sorten ist ein umfangreicher Schlüssel zur Erläuterung verwendeter Begriffe vorangestellt. Einleitend werden bei jeder Sorte alle Synonyme, und was man über die Herkunft der jeweiligen Sorte weiß, aufgeführt. In jeweils 11 Kategorien werden die charakteristischen Eigenschaften der einzelnen Sorten ausführlich beschrieben. Die traditionelle Obstkultur im Elsass war bis etwa 1900 erkennbar durch Übernahme neuer attraktiver Sorten geprägt, so wurde die Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Nordrhein-Westfahlen gefundene Sorte Baron de Berlepsch zur Lokalsorte im Elsass.
Alle als lokale Sorten identifizierten Sorten sind sehr anschaulich dargestellt und einheitlich umfassend beschrieben, einschließlich ihres jeweiligen genetischen Profils „Munqu“, was absolut sichere Vergleiche mit scheinbar ähnlichen Sorten ermöglicht und den verdienstvollen traditionellen Sortenbestimmern überlegen ist. Jeder Lokalsorte ist eine graphisch sehr anschauliche Seite mit allen verfügbaren Informationen gewidmet.
Im Anschluss wird für jede(n) Leser*in verständlich die Bedeutung von Poliploidie <das Vorhandensein unterschiedlicher Anzahlen von Chromosomensätzen bei Apfelsorten> erklärt. Eine Liste der vierzehn Obstgärten zur Erhaltung traditioneller Obstsorten in der Region und der Hinweis auf drei lokale jährliche Obstfeste regen zum Besuch der Region an. Eine umfangreiche Bibliographie und ein Glossar der verwendeten pomologischen Begriffe bilden den Abschluss dieser sehr informativen Studie der Äpfel und Birnen im Elsass.
April 2026 Peter Lock